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FAQ: Chemotherapie


Es herrschen bestimmte Vorstellungen über die Chemotherapie in den Köpfen der Gesellschaft, die oft mit Horrorszenarien verbunden sind. Ich wette die Mehrheit (und ich nehme mich davon nicht aus), hat im ersten Moment das Bild von sich übergebenden, dürren und glatzköpfigen Menschen im Kopf. Ich habe mir oft vorgestellt, wie es sein wird und vor allem was man tun kann um es zu schaffen, aber letztlich helfen all diese Gedanken gar nichts, denn man muss es erleben, um tatsächlich eine Vorstellung darüber haben zu können.


Die wichtigste Information vorweg: Welche Art der Chemotherapie gewählt wird hängt von der Krebsart, dem Erkrankungsstadium sowie der körperlichen Verfassung ab. Dies gilt auch für die entsprechenden Reaktionen darauf. Jede Chemotherapie ist anders, so wie auch jeder Körper.

Chemotherapie-Medikamente (auch: Zytostatika oder Chemotherapeutika) sind Substanzen, die den Zellzyklus stören, verhindern oder verzögern (dieser Zustand wird Zytostase oder „Zellstillstand“ genannt). Auf diese Weise hemmen sie, dass Krebszellen sich teilen und ausbreiten. Die Chemotherapie wirkt bei sich schnell teilenden Zellen besonders gut.

(Alexander Greiner, Chemo-Hilfe-Kurs Teil 1 Was ist eine Chemotherapie. Abgerufen am 04.04.2023 von https://www.influcancer.com/magazin/erste-hilfe-fuer-die-chemotherapie-mit-unseren-chemo-checklisten-chemo-hilfe-kurs/?seite=1 )


Einige Begrifflichkeiten in Zusammenhang mit meiner 1. Chemotherapie:

  • WAS? --> Es handelt sich um eine sogenannte Induktionschemotherapie: Eine erste und intensive Chemotherapie, damit sich die Anzahl an Krebszellen verkleinert, bevor weiter behandelt wird.

  • WANN? --> Dies nennt man einen Zyklus (28.03.-03.04.2023): Der Abstand in dem die Medikamente verabreicht werden. Bei mir 7 Tage durchgehend mit verschiedenen Medikamenten.

  • WIE? --> Über eine Infusion: Meine Chemotherapie wurde über den ZVK in den Blutkreislauf infundiert, andere wiederum können auch in Tablettenform verabreicht werden.

  • WO? --> im stationären Setting: Aufnahme auf einer hämatologischen Abteilung über mehrere Wochen, damit ehestmöglich auf Nebenwirkungen eingegangen werden kann.

Was ihr über die Chemotherapie wissen wolltet:

Wie ihr bereits wisst, musste ich einen ersten Chemozyklus machen, um meine Krebszellen zurückzudrängen, bevor es zur eigentlichen weiteren Chemotherapie vor der Stammzellentransplantation kommen konnte. Deshalb möchte ich eure Fragen in Bezug auf die verschiedensten Arten der Chemotherapie und deren Unterschiede für jede meiner Behandlung einzeln beantworten.


Wie fühlst du dich während/nach der Chemotherapie?

  1. Chemotherapie: Während der Chemotherapie ist es mir erstaunlich gut gegangen, ich habe versucht viel umherzuwandern und nicht zuviel im Bett zu liegen. Ziemlich zum Ende der Chemotherapie begannen dann einige Unannehmlichkeiten, Müdigkeit und auch die ersten Nebenwirkungen aufzutreten.

Wie geht es dir?

  1. Chemotherapie: Ich bemühe mich jeden Tag als einzigartig zu sehen, denn es kommt immer wieder einmal etwas Neues dazu, nicht nur Medikamententechnisch, sondern auch von der eigenen Befindlichkeit her. Es gibt Auf und Abs, die es hier hinzunehmen gilt.

Wie sieht es mit Nebenwirkungen aus? Kommen diese von der ersten bis zur letzten Gabe sofort oder schleichend?

  1. Chemotherapie: Nochmals wie oben beschrieben, jede*r reagiert hier anders. Von Anfang an habe ich noch nichts gespürt, eher zu den letzten Tagen der Chemotherapie hin begannen die ersten Nebenwirkungen deutlich zu werden: Verdauungsprobleme, Hautausschläge mit starkem Juckreiz, Jucken der Kopfhaut und starke Akne an Rücken und im Gesicht.

Der Haarausfall beispielsweise ereignete sich erst am 10. Tag nach Ende der Chemotherapie.


Wie fühlst du dich mental und körperlich?

  1. Chemotherapie: Ich versuche auf meinen Körper zu hören (was bisher nie meine Stärke gewesen ist) und ihm das zu geben was er gerade braucht. Für meine mentale Gesundheit ist das Herumspazieren solange es körperlich geht enorm wichtig, da mir sonst die Decke auf den Kopf fallen würde. Mein Blog ist meine persönliche Auseinandersetzung mit allem was hier passiert und Gespräche mit der Psychologin helfen mir dabei, mich wieder zu sammeln, wenn die Gedanken sich zu sehr verheddern und überschlagen.

Wie sieht dein Tagesablauf aktuell aus?

  1. Aufenthalt auf 18i - Hämatologie:

7:00-7:30 Tagwache:

Über Durchsage werden wir aufgefordert die Temperatur zu messen (dies machen wir 3x täglich), danach kommt das Frühstück.

Vormittag:

Täglich kommen die Blutsauger und nehmen Blut ab (mit ZVK sehr leiwand, weil ich nicht gestochen werden muss ;), gefolgt vom üblichen Verhör: Stuhl? Appetit? Schmerzen? Temperatur?

Mittag:

Gegen Mittag kommt die Visite und bespricht einerseits das Blutbild und verordnet gegebenenfalls Blutkonserven, Medikamente etc. Aktuelle Beschwerden werden abgeklärt und besprochen

14-19 Uhr Besuchszeit:

Ich freue mich immer sehr über einen Tapeten- und Personenwechsel. Bis zu 3 Personen/Tag sind laut aktuellen Regelungen hier am AKH erlaubt.

16:30 Abendessen:

Richtig gelesen, um diese Zeit bekommt man bereits das Abendessen hingestellt, was anfangs absolut seltsam ist und ich hatte immer Angst ich bekomme spätestens um 20 Uhr wieder Hunger, aber der Körper und auch der eigene Rhythmus stellen sich ziemlich schnell auf diesen Ablauf ein.

19:30-22:00 Nachtdienst:

Der Nachtdienst kommt und fragt nach Befindlichkeit und Beschwerden. Einige Infusionen werden durchaus auch spät abends oder in der Nacht noch angehängt. Ich betreibe danach Netflix and Chill und zum Schlafen gehen gibts ein Schlafmittel und Ohropax für mich. Die Nächte verlaufen mehr oder weniger (un-)ruhig.


Tut es weh?

  1. Chemotherapie: Die Frage Schmerz ist immer relativ auf was sie sich bezieht, denn die Chemotherapie direkt schmerzt ja nicht wirklich. Schmerzen kommen eher von Begleiterscheinungen wie meinem Jucken unter dem ZVK oder meinen Bauchschmerzen aufgrund der Verdauungsprobleme.

Bekommt man jeden Tag die gleiche Dosis oder steigert sich diese bzw. dauert es immer gleich lang?

  1. Chemotherapie: Mein Behandlungsregime wurde 3+7+Cladribin genannt (jetzt kennt sich jeder aus^^). Das heißt Folgendes:

3 Tage lang 3 verschiedene Medikamente: eine Kurzinfusion 20 Minuten, danach wird immer mit einer Kochsalzlösung nachgespült, eine weitere Infusion von 2 Stunden und mein Chemo-Ei (eine Dauerinfusion, die in einer Bauchtasche umgehängt wird und 23 Stunden läuft).

2 Tage gab es dann noch die 2 Stunden Infusion und das Chemo-Ei und

die letzten beiden Tage nur mehr mein Ei.


Zusätzlich wird vor jedem Chemomedikament Zofran gespritzt (siehe unten) und Mundspülungen nach jedem Essen sowie Octenisept (desinifizierende Lösung) zur Pflege der Schleimhäute angewendet.


Übelkeit?

Ich hatte wirklich das Glück keinerlei Übelkeit während der Chemotherapie verspürt zu haben, was jedoch auch daran liegen kann, dass mir prophylaktisch vor jeder Infusion Zofran gespritzt wurde, ein Mittelchen gegen Übelkeit. Der Nachteil an diesem Wundermittel ist, dass es zu Verstopfung führt, mit welcher ich während und auch danach noch zu kämpfen habe.


Ob ihr nun selbst oder jemand aus eurem Bekanntenkreis vor einer Chemotherapie steht, unter diesem Link findet ihr einen tollen "Erste Hilfe Kurs" inklusive Checklisten zum Packen etc.:




1 Kommentar

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Gast
05. Apr. 2023

Danke, für deine tollen Erklärungen! Du machst das so großartig!!

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