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Der Geburtstag ohne Zahl

  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Heute vor 3 Jahren hat mir eine fremde Person das Leben gerettet. Es ist der erste meiner mittlerweile zwei Stammzellengeburtstage.

Anstatt heute jedoch eine Zahl zu feiern, wie es bei Geburtstagen üblich ist, steht die "Krebsfrei-Uhr" wieder auf 0 und der heutige Tag fühlt sich eher wie das Andenken an eine Person an, die nicht mehr da ist.

"Man kann sagen, sobald die neue Spenderin übernommen hat, ist sie weg."

Mein Herz fühlt sich bei diesem Satz irgendwie schwer an und ein seltsamer Schmerz macht sich in mir breit. Es ist fast so, als ob ein Teil von mir begraben wurde unter den Zellen einer neuen Lebensretterin.


Es hat zwar nicht für ein ganzes Leben in Gesundheit gereicht, aber meine erste Spenderin hat mir ein zweites Leben mit 2,5 wundervollen Jahren geschenkt.


Jeder Mensch hat zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn er erkennt, dass er nur eines hat."

Diesen Blickwinkel hast du mir aufgezeigt und ein zweites Leben ermöglicht. Ein JA-Sag Jahr voller Möglichkeiten, Abenteuer, Höhen und Tiefen, die ich wieder voll und ganz miterleben durfte.

Deine Zellen haben alles getan, um mir dieses Geschenk zu machen. Ich weiß du hattest in deinem ersten Brief deine Sorgen mitgeteilt, dass deine Zellen möglicherweise nicht gut genug seien.

Die Sache mit dem Scheiß Krebs ist leider die, dass er hinterlistig ist und einen Weg durch unsere gemeinsam aufgebaute Mauer gefunden hat.

Du hast mir nicht nur zahlreiche unvergessliche Erinnerungen geschenkt, sondern auch den Mut meine Geschichte zu erzählen. Mein erstes Buch sowie mein Blog werden immer dir gewidmet sein.


Diese Briefschwesternschaft hat gerade erst begonnen und es schmerzt mich zu lesen, dass meine vermeintliche Blutsschwester hofft mich eines Tages kennenzulernen und alles über meinen Weg zu erfahren. Ich hadere mit mir selbst weiterhin Briefe zu schreiben und sie in wenigen Jahren vielleicht auch zu treffen. Mit dem Wissen, dass sie schon längst nicht mehr in meinem Körper wohnt und dass der Krebs leider wiedergekommen ist während ihre Zellen in mir gewohnt haben. Es fühlt sich wie ein kleines Geheimnis ihr gegenüber an, dass eine neue Spenderin bereits unsere Blutsschwesternschaft weggeschwemmt hat. Es ist, als ob ich sie anlügen würde, wenn ich weiterhin diese Beziehung vorspiele, die es medizinisch gesehen nicht mehr gibt. Ich kann es ihr nicht schreiben bzw. weiß ich gar nicht ob ich das darf.

Auf keinen Fall möchte ich den Kontakt, den wir beide so sehr gesucht haben, einfach aus dem Nichts abbrechen. Der Schmerz und die Trauer, dass es nicht für ein ganzes Leben gereicht hat, stellen sich mir in den Weg.


Unsere gemeinsame Zeit mag zwar vorbei sein, aber ich werde weiterhin diesen Tag als meinen 2. Geburtstag im Leben feiern. Er wird nur keine Zahl mehr führen und die Zeit an diesem Tag stillstehen in Demut vor dem Leben.




 
 
 

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