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Die unsichtbaren Held*innen dieser Geschichte

  • Autorenbild: Jasmin Poschmaier
    Jasmin Poschmaier
  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Wenn sich alles um mich dreht – und doch nicht nur um mich

In dieser Geschichte dreht sich alles um mich – natürlich, immerhin schreibe ich sie auch. Während mein Kampf offen in die Welt hinausgetragen und begleitet wird, werden parallel mehrere Kämpfe an anderen Fronten ausgetragen, die unbemerkt bleiben.

Schuld legt sich wie eine schwere Last auf meine Schultern. Schuld gegenüber jenen Menschen, die wegen mir ihr Leben pausieren und ebenfalls mit ihren Gefühlen kämpfen – ohne dabei von anderen gesehen, gehört oder umsorgt zu werden.


Die Krankheit trifft nie nur eine Person

Die Leukämie hat nicht nur mir den Boden unter den Füßen weggezogen, Träume platzen lassen und mein Leben vorerst auf Pause gestellt. Mit mir sind auch die Menschen in meinem engsten Umfeld, mein persönlicher Kraftkreis, meterweit in die Tiefe gestürzt.

Feste werden nicht gefeiert, sondern aufgeschoben. Urlaube nicht angetreten. Die wohlverdiente Zweisamkeit nicht genossen. Herzenswünsche zurückgestellt. Jederzeit bereit Pläne spontan umzuwerfen, um da zu sein.

Alles nur wegen mir.


Der unsichtbare Kampf der Angehörigen

Während andere Menschen den Blick abwenden und ihr Leben weiterleben können, dreht sich für meine Held*innen alles darum, was sich hinter den Mauern des roten Bettenturms zuträgt.

Als stille Zuseher*innen können sie mir keine körperlichen Strapazen abnehmen – und tragen dennoch eine enorme psychische Last. Während ich mich ganz auf meine Rolle als Patientin konzentrieren darf, zehrt dieses Gfrast von Leukämie meinen Held*innen auch noch das letzte Fünkchen Energie, das sie für ihren Alltag brauchen. Einen Alltag, der für sie einfach weiterläuft.


Übersehen, still, allein

Die Angehörigen werden häufig übersehen und leiden still und einsam. Sie kämpfen einen Kampf, der nicht gesehen und behandelt wird.


Meine Held*innen

Und doch sind genau diese Menschen meine persönlichen Held*innen in dieser Geschichte.

Ohne sie wären die Tage lang und leer, das Lachen würde verklingen. Die helfende Hand bei den einfachsten Tätigkeiten, ihre bloße Anwesenheit, ihre Worte – oft ungefragt und doch so tröstend –, selbst dann, wenn ich in der Überforderung meiner aufbrausenden Gefühle zu stürmisch geworden bin.

Dieses Gfrast hat sich nicht nur meinen Körper und mein Leben an sich gerissen, sondern auch die Menschen, die mir am meisten bedeuten, zu Boden gerissen. Nur während ich fortgetragen wurde, um versorgt zu werden, mussten sie ihre Wunden selbst versorgen.

Schuld. Ungerechtigkeit. Wut.

All das empfinde ich angesichts dessen, was diese Krankheit mit dem Leben meiner Liebsten macht. Und keine noch so tröstenden Worte – gerade aus ihrem Mund – können mir diese Gefühle nehmen.


Für alle, die still tragen

Ich hoffe, dass diese Zeilen all jenen Menschen, die für andere Betroffene zu Held*innen geworden sind, Kraft und neue Energie schenken. Dass sie ein Licht senden und diese Menschen endlich in den Mittelpunkt der Geschichte rücken – dorthin, wo sie hingehören.

Ich sehe euren Schmerz.

Ich sehe euren Mut weiterzugehen.

Ich sehe eure Energie, die bedingungslos und mit voller Aufmerksamkeit in eure geliebten Menschen fließt.

Und ich sehe all die Dinge, die ihr nicht macht, die Träume, die ihr aufschiebt und

das Leben, das ihr ihnen widmet.


 
 
 

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2 Kommentare


Andreas
vor 9 Stunden

Liebe Jasmin!

Danke für deine so wunderbar und berührend formulierten Zeilen. Das tut richtig gut - vorausgesetzt deine lieben Eltern sind damit auch ein bisschen gemeint 😉

Ich sehe dich, ich spüre dich und ich genieße die gemeinsame Zeit, auch wenn ich mir wünschen würde, dass wir sie woanders und unter anderen Umständen verbringen könnten. Trotzdem ist es unsere Zeit und niemand kann sie uns nehmen. Nirgendwo möchten wir momentan lieber sein, als in deiner Nähe und sehr gerne verbringen wir Zeit mit dir. Manchmal kostet es Kraft, aber viel öfter gibt es uns Kraft. Vor allem gibt es uns Mut und Zuversicht, dich zu sehen und bei dir zu sein. Also keine Sorge, das ist Teil der Arbeitsplatzbeschreibung einer…

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Judith
vor 14 Stunden

Hallo Jasmin, das hast du mal wieder wunderbar auf den Punkt gebracht. Ich sende allen Angehörigen, Freunden Lebenspartnern und dem gesamten medizinischen Personal ganz liebe Grüße und weiter viel Kraft.

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