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Mitleid vs. Mitgefühl

MITLEID ≠ MITGEFÜHL

Wie geht man mit jemandem um, der eine schwere Krankheit hat bzw. eine schwere Zeit durchmacht?

Was kann ich sagen/machen?

Hier gibt es meiner Meinung nach viele Fettnäpfchen, die durch "gut gemeinte" Floskeln, Handlungen oder Bemerkungen, entstehen können. Mit der Diagnose beginnt sich das gesamte soziale Umfeld betroffener Personen neu auszurichten. Viele Beziehungen zu Freund*innen oder Familienangehörigen ändern sich. Einige intensivieren sich, vor allem auch welche von denen es man sich nicht erwartet hat und bei anderen wird klar, dass Menschen überfordert mit der Situation sind und sich zu distanzieren beginnen.

Ich habe viel zu oft einfach gelächelt und genickt bei einigen Aussagen, bei denen ich mir im Nachhinein aber auch ehrlich zugestehen musste, dass dies grenzüberschreitend war. Während sich das Gegenüber vielleicht gut fühlt, weil es sich ja bemüht hat einfühlsam und freundlich zu sein, bleiben die Betroffenen mit einem eigenartigen Gefühl zurück.


Beginnen wir zunächst mit dem Unterschied zwischen Mitleid und Mitgefühl und warum dieser so entscheidend im Umgang mit Menschen ist, die es wodurch auch immer momentan schwer im Leben haben.


Was ist Mitleid?

Die Erklärung steckt im Wort selbst: "mit-leiden". Es wird Anteil genommen an der Not, dem Schmerz und dem Leiden eines anderen Menschen. Leid steht in Zusammenhang mit negativ behafteten Gefühlen und wer sich selbst schon einmal in einer Negativspirale befunden hat weiß, dass in dieser weder Probleme gelöst werden können, noch ein Vorankommen möglich ist. Im Leiden steckt Passivität und manchmal auch eine Art Lähmung. Wenn das Mitleid für eine Person zu stark wird, kann es schwierig werden, tatsächlich Hilfe zu leisten und einen Weg aus der Krise herauszufinden. Manchmal bemitleiden einen Menschen, obwohl man es selbst nicht tut und beginnen überall helfen zu wollen und in die Autonomie/Selbstbestimmung eines Menschen einzugreifen.

Mir wurde vielfach mit Mitleid begegnet, sei es ein Ausdruck in den Augen meines Gegenübers oder auch Phrasen, die abgedroschener nicht sein könnten. Als Therapeutin habe ich immer schon den Ansatz verfolgt, das Mitleid niemanden weiterbringt. Im Leiden sind wir Opfer und passiv, wir nehmen nicht aktiv Anteil an der Situation und sind auch nicht in der Lage Lösungsvorschläge anzunehmen oder umzusetzen. Im Mitgefühl ist dies anders, hier versuche ich meinem Gegenüber konkret Maßnahmen anzubieten, die helfen könnten.


Was ist Mitgefühl?

Gefühle nachvollziehen können, geht aber auch nur wenn man seine eigenen Gefühle zulässt und mit diesen umgehen kann. Im Unterschied zum Mitleiden kann hier etwas Abstand gewonnen werden zur Situation der betroffenen Person. "Deine Geschichte ist nicht meine", habe ich mir selbst in den Gesprächen mit "Leidensgenoss*innen" auf der Station immer wieder gedacht. Ich höre zu, zeige Anteilnahme, beginne die Emotionen dahinter zu verstehen, aber lasse es nicht in meine innere Gefühlswelt hinein, denn nur so kannst du tatsächlich Hilfe anbieten und aktiv bleiben.


Dieses Video bietet eine einfache Erklärung des Unterschiedes zwischen diesen beiden Begrifflichkeiten anhand einer konkreten Situation. Schau mal rein und überlege wie du gehandelt hättest und wie du es zukünftig besser machen kannst.


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